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Und was Wort ward Fleisch

Von Max Lucado, einem texanischen Pastor.

Aus: Calvin Miller, "Das Buch von Jesus" (R. Brockhaus Verlag)

Ob das wichtig ist? Ich denke doch. Dass ganz normale Leute in einer kleinen Stadt gerne mit Jesus zusammen waren, dürfte schon bezeichnend gewesen sein. Dass der Allmächtige selbst nicht anmassend oder arrogant war, halte ich für sehr bemerkenswert. Der Herr war nicht selbstherrlich. Er, der alles kannte und wusste, war kein Besserwisser. Er, dem alles auf dieser Welt gehört, hat nie damit gepralt.
Nie. Er hätte es tun können. Und wie!

Er hätte mit seinen Bekannten protzen können: Hab ich Euch eigentlich schon mal erzählt, wie ich mit Mose auf dem Berg war?
Er hätte ein Angeber sein können: He, soll ich Euch mal kurz ins zwanzigste Jahrhundert beamen?
Er hätte ein Klugscheisser sein können: Ich weiss, was du denkst. Beweis gefällig?
Er hätte den dicken Max markieren können: Ich hab ein Stück Land auf dem Jupiter-

Doch Jesus war und tat nichts von alldem. Seine Sache war nicht das Aufschneiden, sondern das Aufkreuzen. Er gab sich alle Mühe, genauso menschlich zu sein wie der Typ von nebenan. Er hätte nicht lernen brauchen und trotzdem ging er in die Synagoge. Er hätte kein Geld verdienen müssen und ging dennoch in die Werkstatt. Er hatte Engel zu Bekannten gehabt und die Harfen des Himmels gehört, aber auch das hielt ihn nicht davon ab, auf die Partys der Zolleinnehmer zu gehen. Und auf seinen Schultern lastete die Aufgabe, die Welt zu erlösen, doch er nahm sich die Zeit, neunzig Meilen von Jericho nach Kana zu laufen, um dort auf eine Hochzeit zu gehen.

Folge davon war, dass die Leute ihn mochten. Gut, es gab auch jene, die sich über seine Behauptungen ärgerten. Sie nannten ihn Gotteslästerer, niemals aber bezeichneten sie ihn als Grosskotz. Sie bezichtigten ihn der Ketzerei, nicht aber der Arroganz. Er wurde als Radikaler gebrandmarkt, nie aber unnahbar genannt.
Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass er je seine himmlische Stellung für seinen persönlichen Vorteil benutzt hätte. Niemals. Man hat einfach nie das Gefühl, seine Nachbarn wären irgendwann seinen Hochmut leid gewesen und hätten ihn gefragt: "Was glaubst du eigentlich, wer dich zu Gott gemacht hat?"
Sein Glaube machte ihn liebenswert, nicht verabscheuungswürdig. Schön wär's, wenn sich's bei uns auch so verhalten würde!

Was hat uns bloss auf die Idee gebracht, dass ein guter Christ ein ernster Christ ist? Wodurch ist nur das Gerücht aufgekommen, dass man einen Jünger an seinem langen Gesicht erkennt? Woher kommt die Vorstellung, dass Trauerklösse die wahrlich begnadeten sind?

Darf ich vielleicht etwas sagen, das Stirnrunzeln verursachen wird? Darf ich Ihnen verraten, warum Jesus meiner Meinung nach auf die Hochzeit ging? Ich glaube, er ging auf die Hochzeit, weil - langsam, langsam, lassen Sie mich erst mal ausreden, bevor Sie den Teer aufkochen und die Federn rupfen -, ich glaube, Jesus ging auf die Hochzeit, um sich zu amüsieren.

Lassen Sie sich's nur mal durch den Kopf gehen. Es war eine anstrengende Saison. Vierzig Tage in der Wüste. Nichts zu trinken und zu essen. Ein Duell mit dem Teufel. Eine Woche Einarbeitung einer Gruppe galiläischer Grünschnäbel. Eine neue Stellung. Er ist von Zuhause ausgezogen. Das war alles nicht leicht. Gegen ein Päuschen wäre nichts einzuwenden. Ein gutes Essen mit gutem Wein und ein paar guten Freunden - klingt gut.
Also ziehen sie los.
Nicht Wasser in Wein verwandeln war sein Ziel. Das war nur ein Gefallen, den er seinen Freunden tat.
Es war auch nicht sein Ziel, seine Macht zu zeigen. Der Gastgeber bekam nicht mal was davon mit.
Sein Ziel war auch nicht zu predigen. Es gibt keinerlei Aufzeichnungen über eine Predigt.
Bleibt eigentlich nur ein Grund. Spass. Jesus ging auf die Hochzeit, weil er die Leute mochte und das Essen; und - grosser Gott! - vielleicht wollte er sogar mal mit der Braut eine kesse Sohle aufs Parkett legen. (Schliesslich plant er selbst auch eine grosse Hochzeit. Vielleicht wollte er schon mal üben?)

Verzeiht mir also bitte, Pastor Nieselprim und Schwester Drögeseel. Tut mir leid, wenn ich euch die Petersilie verhagele, aber Jesus war ein sympatischer Bursche. Und das Gleiche dürfte auch auf seine Jünger zutreffen. Ich spreche hier nicht von Völlerei, Trunkenheit und Ehebruch. Ich rede nicht Derbheit und Vulgarität das Wort. Ich ziehe lediglich zu Felde für die Freiheit, sich über einen guten Witz zu amüsieren, Schwung in eine langweilige Party zu bringen, einen lustigen Abend zu schätzen zu wissen.

Vielleicht überraschen diese Gedanken Sie. Mich jedenfalls tun sie's. Es liegt länger zurück, dass ich Jesus als Freund von Partys bezeichnet habe. Es stimmt aber. Seine Widersacher beschuldigten ihn, zu viel zu essen, zu viel zu trinken und sich mit den falschen Leuten herumzutreiben! (Siehe Matthäus 11,19.) Ich muss gestehen: Es ist schon eine ganze Weile her, dass mich jemand beschuldigt hätte, ich würde mich zu gut amüsieren. Wie sieht's in der Beziehung bei Ihnen aus?

Wir waren mal ganz gut darin. Was ist aber aus uns geworden? Wo sind lautes Lachen und Spass an der Freude hin? Werden wir von unseren Krawatten erwürgt? Liegt's an unseren Diplomen? Sind wir so steif vom vielen Sitzen in Kirchenbänken?
Könnten wir nicht lernen, wieder Kinder zu sein?

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stefan leuthold . zähringerstrasse 24 . ch-8001 zürich . lageplan